Gesellschaft für burschenschaftliche Geschichtsforschung

Vorstand und Amtsträger

Vorsitzender: Ass. iur. Christian Oppermann, Berlin
Schriftführer: N. Kowalewski
Kassenwart: Dipl.-Ing., Dipl.-Kfm. (FH) Jörg Dreier, Bremen

Archiv und Bücherei

Leiter: Dr. Franz Egon Rode, Tauberbischofsheim

Beirat

Dr. Helma Brunck, Frankfurt am Main
Prof. Dr. Günter Cerwinka, Graz
Dr. Frank Grobe, Wiesbaden
Dr. Karl Gundermann, Assenheim
Dr. Peter Kaupp, Dieburg
Prof. Dr. Dr. h. c. Klaus Malettke, Marburg
Prof. Dr. Christian Neschwara, Wien
Prof. Dr. Matthias Stickler, Würzburg

Burschenschaftsdenkmal

Satzung

Die aktuelle Fassung unserer Vereinssatzung steht hier zur Einsicht bereit.

pdf Satzung der GfbG
PDF-Dokument
Hambacher Fest

Geschichte und Zielsetzung der Gesellschaft

Die Burschenschaften waren ein zentraler Bestandteil der deutschen Einheits- und Freiheitsbewegung des 19. Jahrhunderts. Nachdem mit der Gründung des kleindeutschen Kaiserreichs im Jahr 1871 ein zentrales Ziel der Nationalbewegung erreicht war, wurde sie selbst zum Gegenstand der Geschichtsschreibung. Mit der Geschichte der Burschenschaften befassten sich zunächst historisch interessierte Burschenschafter, wobei der Fokus in der Regel auf der eigenen Burschenschaft und deren Mitgliedern lag. Identitätsstiftung -und -findung standen hierbei im Vordergrund, so dass diese zumeist von Laienhistorikern verfassten Verbindungsgeschichten ungeachtet aller Detailfülle zur Apologetik neigten und wissenschaftlichen Ansprüchen kaum genügen konnten.

Um genau diese Lücke zu schließen, wurde im Jahr 1909 auf Initiative des Historikers und Bibliothekars Herman Haupt (Arminia Würzburg, Frankonia Gießen, Germania Gießen, Saxonia Hannoversch-Münden) die Burschenschaftliche Historische Kommission (BHK) gegründet. Ihr Hauptanliegen war die umfassende Erforschung der Geschichte der burschenschaftlichen Bewegung auf wissenschaftlicher Grundlage, wobei ihr besonderes Augenmerk auf der Rolle der Burschenschaften innerhalb der deutschen Nationalbewegung lag. Von Beginn an verstand sich die BHK als ein verbandsübergreifender Zusammenschluss, der Vertreter verschiedener burschenschaftlicher Verbände vereinte. Die Mitglieder der Kommission zeichneten sich nicht nur durch ihr burschenschaftliches Engagement, sondern auch durch eine hohe fachliche Expertise aus. Unter ihnen befanden sich renommierte Persönlichkeiten des akademischen Lebens, wie beispielsweise der Historiker Friedrich Meinecke (Burschenschaft Saravia Berlin).

Seit ihren Anfängen verfolgte die Burschenschaftliche Historische Kommission drei Hauptziele, die in den nachfolgenden Jahrzehnten die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der burschenschaftlichen Geschichte wesentlich prägten. Erstens sollte das bisher in privater Sammlertätigkeit zusammengetragene historische Material zur burschenschaftlichen Geschichte in einem zentralen Archiv gebündelt und systematisiert werden. Zweitens sollte im Anschluss auf dieser Grundlage eine umfassende und wissenschaftlich fundierte Geschichte der Burschenschaften anlässlich ihres 100jährigen Jubiläums im Jahr 1915 erscheinen. Zuvor sollten bereits erste Aufsätze und Quellen in den „Quellen und Darstellungen zur Geschichte der Burschenschaft und der deutschen Einheitsbewegung“ veröffentlicht werden. Drittens wurde die Geschichte der Burschenschaften ganzheitlich als Institutions- und Personengeschichte betrachtet. Zu diesem Zweck sollten Biografien berühmter Burschenschafter herausgegeben sowie für alle Universitätsorte umfassende Burschenschafterlisten erstellt werden, in denen sämtliche Mitglieder der Burschenschaften von der Frühzeit bis zur Gegenwart systematisch erfasst werden sollten.

Dankesbrief von Reichspräsident Hindenburg

In der Praxis stellte sich aber sehr bald heraus, der ursprünglich beschlossene Zeitplan war entschieden zu ambitioniert – tatsächlich handelte es sich um eine Aufgabe, die mehrere Generationen beschäftigen sollte und bis heute noch nicht abgeschlossen ist. Bis zum Jahr 1914 lag neben einigen Aufsätzen lediglich die von Paul Wentzcke verfasste Vor- und Frühgeschichte der Burschenschaft vor, kriegsbedingt erschien sie aber erst im Jahr 1919. Ein bedeutendes Echo in der weiteren Öffentlichkeit fand dessen 1927 als 9. Band der „Quellen und Darstellungen“ erschienene Schrift zur Herkunft und Entwicklung der deutschen Farben, auch weil sie als ein Beitrag zur seit 1919 ungelösten, erbittert geführten öffentlichen Debatte um die Nationalflagge der Weimarer Republik galt. Die Spätphase der Republik stellte eine tiefgreifende Zäsur für die BHK dar. Zunächst erfolgte 1927 die Verlagerung des Archivs von Gießen nach Frankfurt. Zwei Jahre später, 1929, erfolgte eine weitere organisatorische Veränderung: Die BHK wurde in einen eingetragenen Verein umgewandelt und in „Gesellschaft für burschenschaftliche Geschichtsforschung“ umbenannt, dies auch, um ihre rechtliche Stellung als Eigentümer von Archiv und Bücherei zu stärken. Ein personeller Umbruch an der Spitze der Gesellschaft folgte im Jahr 1931. Nach 21 Jahren im Amt trat der Gründungsvorsitzende Haupt zurück, sein Nachfolger wurde der Historiker und Archivar Paul Wentzcke, der bereits zuvor die wissenschaftliche Arbeit der Gesellschaft maßgeblich mitgeprägt hatte.

Während der NS-Zeit blieb die Gesellschaft für burschenschaftliche Geschichtsforschung bestehen und setzte ihre Tätigkeit, ab 1939 stark eingeschränkt durch den Zweiten Weltkrieg, fort. Sie versuchte unter den schwierigen politischen Umständen und den Einschränkungen durch das diktatorische Regime so weit wie möglich ihre wissenschaftliche Unabhängigkeit zu wahren. Archiv und Bücherei waren in dieser Zeit in Würzburg untergebracht, weil die Nationalsozialisten dort ein zentrales Institut für deutsche Studentengeschichte geschaffen hatten und zwecks dessen Aufwertung alle bedeutenden Korporationsverbände verpflichtet hatten, ihre Archive nach Würzburg zu verlagern.

Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm die GfbG ihre Tätigkeit wieder auf. Ein bedeutender Schritt war die Rückverlagerung von Archiv und Bücherei nach Frankfurt. In der Folge entwickelte sich ab dem Jahr 1955 eine rege wissenschaftliche Publikationstätigkeit, wobei man sich auch kritisch mit Rolle der Burschenschaften in der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus auseinandersetzte. Eine 1965 in den „Darstellungen und Quellen“ publizierte Arbeit Wolfgang Zorns zur politischen Rolle des deutschen Studententums in der Weimarer Republik rief heftige innerburschenschaftliche Kontroversen hervor. Unter der Ägide Harald Lönneckers (Normannia Leipzig zu Marburg, Normannia Leipzig, Germania Kassel, Ghibellinia Prag zu Saarbrücken, Sängerschaft Normannia Danzig), der von 1995 bis 2022 das Amt des Leiters von Archiv und Bücherei wahrnahm, öffnete man sich auch zunehmend gegenüber neueren sozial- und mentalitätsgeschichtlichen Forschungsansätzen und bemühte sich um eine stärkere Verankerung in der allgemeinen Geschichtswissenschaft. Im Jahr 2009 konnte schließlich das 100jährige Bestehen der GfbG in einem größeren festlichen Rahmen in Heidelberg begangen werden.

Bis heute hält die Gesellschaft für burschenschaftliche Geschichtsforschung (GfbG) an den bei ihrer Gründung festgelegten Kernzielen und -aufgaben fest. Im Mittelpunkt stehen insbesondere die Pflege und der Ausbau von Archiv und Bücherei der deutschen Burschenschaften. Beide Einrichtungen werden von der GfbG betreut und bilden das Herzstück der Gesellschaft. Mit einem Gesamtbestand von rund 800 Metern Regalfläche gehört das Archiv der deutschen Burschenschaften zu den größten studentenhistorischen Archiven überhaupt im deutschen Sprachraum. Die zentrale Aufgabe der GfbG besteht darin, dieses bedeutende Kleinod zu erhalten, zu erweitern und der wissenschaftlichen Forschung weiterhin zugänglich zu machen. Um die Zukunft und Unabhängigkeit des Archivs als des kulturellen Vermächtnisses der Burschenschaften unabhängig von personellen Veränderungen und politischen Entwicklungen zu gewährleisten, soll es in den kommenden Jahren schrittweise digitalisiert werden. Dieses sich ausschließlich aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen finanzierende Großprojekt können Sie unabhängig von einer Mitgliedschaft mit einer Spende an die als gemeinnützig anerkannte GfbG fördern und damit einen kleinen Beitrag zum Erhalt dieses bedeutenden kulturellen Erbes leisten.

Darüber hinaus gibt die GfbG die nunmehr in „Darstellungen und Quellen zur Geschichte der Burschenschaft und der deutschen Einheitsbewegung“ umfirmierte sogenannte „Grüne Reihe“ mit wissenschaftlichen Beiträgen zur burschenschaftlichen Geschichte heraus. Bisher sind 24 Bände erschienen, die verschiedene Epochen und Aspekte der burschenschaftlichen Geschichte beleuchten. Für den Zeitraum von der Gründung der Burschenschaft im Jahr 1815 bis zur erzwungenen Auflösung im Jahr 1935 liegen mittlerweile wissenschaftlichen Ansprüchen genügende Darstellungen vor. Desiderate bleiben noch die Erforschung der burschenschaftlichen Geschichte nach 1945 sowie eine Gesamtgeschichte der burschenschaftlichen Bewegung. Seit 1996 bereichert zudem das „Biographische Lexikon der Deutschen Burschenschaft“ das wissenschaftliche Angebot. Es würdigt bedeutende Persönlichkeiten aus den Reihen der Burschenschaften. Bisher sind die Bände zu den aus burschenschaftlichen Kreisen stammenden Politikern und Künstlern erschienen. Und schließlich bestehen heute Burschenschafterlisten zu den Universitätsorten Berlin, Freiburg, Gießen, Greifswald, Jena und Straßburg. In jüngerer Zeit hat sich die Arbeit der Gesellschaft noch um eine vierte Säule erweitert: Die GfbG möchte sich zunehmend als Dienstleister für die sie tragenden Burschenschaften verstehen, indem sie beispielsweise geeignete Referenten für historische Vorträge zur Verfügung stellt oder bei der Sicherung und Inventarisierung von Archivbeständen einzelner Burschenschaften Rat und Hilfe anbietet.

Herman-Haupt-Plakette der GfbG

Die Herman-Haupt-Plakette wurde 1929 anlässlich des 75. Geburtstages Herman Haupts, des ersten Vorsitzenden der Gesellschaft für burschenschaftliche Geschichtsforschung, gestiftet. Sie wird an Personen verliehen, die sich im besonderen Maße um die burschenschaftliche Geschichtsforschung verdient gemacht haben.

Die bisherigen Träger der Plakette

1930 Verleger Ing. Albert Benz (Teutonia Karlsruhe), Überlingen a. Bodensee Privatdozent
Privatdozent Dr. Ferdinand Bilger (Silesia Wien), Graz
Archivdirektor Dr. Max Doblinger (Frankonia Graz), Graz
Oberstudiendirektor Prof. Karl Hensing (Arminia Frankfurt), Offenbach a. Main
Geheimer Justizrat Georg Heer (Arminia Marburg), Marburg a. d. Lahn
Bibliotheksdirektor Dr. Wilhelm Hopf (Derendingia Tübingen, Saxonia Hannoversch-Münden), Kassel
Prof. Dr. Otto Oppermann (Alemannia Bonn), Utrecht
Oberlandesgerichtsrat Dr. Hans Schneider (Germania Gießen, Frankonia Gießen), Darmstadt
Rechtsanwalt Fritz Ullmer (Frankonia Heidelberg), Wiesloch b. Heidelberg
Archivdirektor Dr. Paul Wentzcke (Marchia Köln, Alte Straßburger Burschenschaft Alemannia zu Hamburg), Düsseldorf
1932 Geheimer Rat Prof. Dr. Ludwig Aschoff (Alemannia Bonn), Freiburg i. Br.
Bundesbahnpräsident i. R. Dr. Edmund Bechmann (Silesia Wien), Wien
Studienrat Prof. Dr. Heinrich Bünsow (Arminia Leipzig, Brunsviga Göttingen) Göttingen
Studienrat Gymnasial-Prof. Dr. Theodor Lorentzen (Germania Jena), Hamburg
Geheimer Justizrat Dr. Albert Petzold (Arminia Jena), Berlin
Regierungsrat Georg Schmidgall (Verbindung Normannia Tübingen), Tübingen
Studienrat Dr. Alfred Wandsleb (Frisia Göttingen), Mühlhausen i. Thür.
1934 Direktor Dr. Hugo Böttger (Arminia Jena), Berlin
Facharzt Dr. Max Flemming (Alemannia auf dem Pflug), Halle a. d. Saale
Archivrat Dr. Harry Gerber (Arminia Jena, Arminia Frankfurt), Frankfurt a. Main
Geheimer Studienrat Dr. Rudolf Hanow (Arminia Jena, Alemannia Bonn), Jena
Regierungsrat Prof. Dr. Benno Imendörffer (Markomannia Wien), Wien
Dr. Karl Kann (Germania Jena), Mannheim
Archivar Dr. Georg Lehnert, Gießen
Gymnasial-Prof. Dr. Franz Leininger (Rhenania München), Würzburg
Regierungsbaumeister Oberfachschulrat Richard Schiedt (Alemannia Stuttgart), Stuttgart
Senatspräsident am Reichsmilitärgericht Dr. Gottlob Ritter von Weigel (Germania Erlangen), Nürnberg
Geheimer Regierungsrat Prof. Dr. Georg Wolfram (Teutonia Jena), Frankfurt a. Main
1949 Prof. Dr. Ernst G. Deuerlein (Germania Erlangen), Erlangen
1959 Staatsanwalt Horst Bernhardi (Frisia Göttingen), Verden a. d. Aller/Celle
Studienrat Adam Weiß (Frankonia Heidelberg), Worms
Archivrat Dr. Wolfgang Klötzer, Frankfurt a. Main
1966 Baudirektor Dipl.-Ing. Gustav Böttger (Teutonia Karlsruhe, Glückauf-Freiberg/Claustahl), Goslar
1971 Prof. Dr. Kurt Stephenson (Alemannia Bonn), Bonn
1980 Prof. Dr. Alexander Scharff (Derendigia Tübingen), Kiel
1982 Dipl.-Vw. Helge Dvorak (Olympia Wien), Wien
1983 Veterinärdirektor Dr. Walter Arendt (Alt-Germania Hannover, Germania Saarbrücken), Essen
1986 Schriftleiter Ernst Wilhelm Wreden (Allemannia Heidelberg, Teutonia Jena), Friedberg i. Hess.
1995 Prof. Dr. Alfred Thullen (Arminia Jena), Heidenheim
2005 Prof. Dr. Christian Hünemörder (Alemannia Bonn), Waldbröl
Prof. Dr. Peter Kaupp (Arminia Jena), Dieburg
2009 Bundesbahndirektor Dipl.-Ing. Wolfgang Eymann (Alania Aachen), Essen
2017 Prof. Dr. Günter Cerwinka (Allemannia Graz), Graz
Prof. Dr. Dr. Klaus Malettke, Marburg
Vizepräsident des Bundesarchivs a. D. Dr. Klaus Oldenhage (Norddeutsche und Niedersachsen, Germania Trier), Koblenz
2024 Betriebswirt (VWA) Hans-Jürgen Schlicher (Alemannia München, Germania Trier), Lupburg-Degerndorf
2025 Prof. Dr. Dr. Harald Lönnecker (Normannia Marburg, Normannia Marburg zu Leipzig, Germania Kassel, Ghibellinia Prag zu Saarbrücken, Sängerschaft Normannia Danzig zu Braunschweig), Spetzerfehn (posthum verliehen)
Herman-Haupt-Plakette